16.
Jungfrau (Sopran)
O laß mich von der Luft durchdringen,
Der sel’gen Luft, gehaucht von dir,
Und was sie trag’ auf ihren Schwingen,
Tod oder Leben, süß ist’s mir.
Trink meine Tränen, auch mein Blut,
Mein Herzblut selbst empfingest du,
Wärs Balsam nur für deine Glut,
Gäbs dir nur auf Minuten Ruh.
Wend’ o! dein hold Gesicht nicht ab,
Bin ich dicht deine Braut, bin dein?
Ist nicht im Leben, wie im Grab
Der Platz an deiner Seite mein?
Denkst du, daß sie, die nur von dir
In dunkler Welt empfängt ihr Licht,
Die trübe Nacht erträgt, die ihr
Hereinsinkt, wenn dein Auge bricht?
Ich leben ohne dich –allein–
Du meines Lebens Leben – nein!
O laß mich von der Luft durchdringen,
Der sel’gen Luft, gehaucht von dir,
Und was sie trag’ auf ihren Schwingen,
Tod oder Leben, süß ist’s mir.
Solo (Tenor)
Sie wankt – sie sinkt – und wie ein Licht
Im giftigen Hauche des Schachts
Verlischt, so plötzlich bricht
Sein holdes Auge –
Ein Krampf – sein Weh ist dann vergangen
Vollendet ist sein Leben –
Auf drückt sie ihm noch einen langen
Und lezten Kuß und stirbt im Geben.