23.
Peri
Hinab zum jenem Sonnentempel!
Ein Amulett, auf dessen Stein
Ein Zeichen glänzt, vom Blitz hinein
Geschmolzen, dort gewahr ich’s, auch
En Blatt, auf welchem rein
Das Siegel prangt von Salomo;
Vielleciht entziffern sie mirs, wo
Auf Erden, in den Meeren, ruht
Die Zaubermacht, das edle Gut,
Das Eden öffnet sund’gen Wesen,
Vielleicht vermags mein Aug’ zu lesen! Hinab!
Solo (tenor)
Sie schwebt herab im frohen Hoffen,
Noch lacht des Himmels Auge hold,
Die Lauben auch aus Abendgold
Stehn noch im Westen offen.
Jetzt über Baalbeks Tal sich schwingend,
Erblickt im Spiele sie ein Kind,
Inmitten wilder Rosen singend,
So rosig wild wie selbst sie sind.
Beim Knaben, der des Spiels nun satt
In Blumen sich gelagert hat,
Sieht sie vom heißen Rosse steigen
Jetzt einen müden Mann und schnell
An einem hochumgrasten Quell
Zum Trunke sich herunterbeugen;
Dann kehrt er schnell sein wild Gesicht
Aufs schöne Kind, das furtchlos saß,
Obgleich noch nie des Tages Licht
Ein wild’res Antlitz sah als das,
Entsetzlich wild, ein grauser Bund,
Wie Wetterwolk aus Nacht und Glut;
Dort stehn die Laster all, es tut
Dort jedes Bubenstück sich kund,
Meineid, eschlagner Gast,
Betrogne Braut, mit blut’ger Schrift
Auf jenem Antlitz stand geschrieben.
Solo (Mezzo-sopran)
Doch horch, wie Vesperruf zum Beten,
Da still die Sonn’ hernieder schwebt.
Von Syriens tausend Minaretten
Jetzt durch die Lüfte bebt;
Vom Blumenbeet hebet sich der Knab’,
Das seinem Haupt ein Lager gab,
Kniet nieder auf dem blum’ger Grund,
Worauf mit reinem Engelsmund
Er Gottes ew’gen Namen spricht;
Er scheint, indem er Blick und Hand
Zum Abendhimmel aufgewandt,
Ein Engelskind, das sich hernieder
Verirrt hat,
Und seine Heimat suchet wieder.
Solo (Tenor)
Und was fühlt er, der sünd’ge Mann,
Der dort lehnt und sich nun entsann
So manchen Jahrs voll Schuld und Blut,
Der auf des Lebens dunkler Flut,
Umsonst späht nach dem Rettungspfade,
Wo nichts des Ölzweig bringt der Gnade.
Der Mann (Baß)
‘war eine Zeit, du selig Kind,
Da jung und rein, wie du, mein Tun
Und beten war, – doch nun!