Schön-Rohtraut
Wie heißt König Ringrangs Töchterlein?
Rohtraut, Schön-Rohtraut.
Was tut sie denn den ganzen Tag,
Da sie wohl nicht spinnen und nähen mag?
Tut fischen und jagen.
O daß ich doch ihr Jäger wär!
Fischen und Jagen freute mich sehr. –
Schweig stille, mein Herze!
Und über eine kleine Weil’,
Rohtraut, Schön-Rohtraut,
So dient der Knab’ auf Ringrangs Schloß
Im Jägertracht und hat ein Roß,
Mit Rohtraut zu jagen,
O daß ich doch ein Königsohn wär!
Rohtraut, Schon-Rohtraut lieb’ ich so sehr. –
Schweig stille, mein Herze!
Einstmals sie ruhten am Eichenbaum,
Das lacht Schön-Rohtraut:
“Was siehst mich an so wunniglich?
Wenn du das Herz hast, küsse mich!”
Ach, erschrak der Knabe!
Doch denket er: Mir ist’s vergunnt,
Und küsset Schön-Rohtraut auf den Mund. –
Schweig stille, mein Herze!
Darauf sie ritten schweigend heim,
Rohtraut, Schön-Rohtraut;
Es jauchzt der Knab’ in seinem Sinn:
Und würdst du heute Kaiserin,
Mich sollt’s nicht kränken!
Ihr tausend Blätter im Walde wißt!
Ich hab’ Schön-Rohtrauts Mund geküßt –
Schweig stille, mein Herze!